Ihr Monsterlein kommet
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Comicfinder Mika Robit erlebt Weihnachts Horror Comix
und stellt sich persönlichen Alpträumen
Nur langsam komme ich wieder zu mir. Das erste, was ich empfange, ist ein seltsames Gefühl im Mund. Gnnn! Zunge rau. Zahnfleisch sticht. Die Welt schmeckt irgendwie nach billiger Schokolade. Gleichzeitig aber auch nach Pappe. Würgl. Dann sehe ich die blauen Augen vom Schatzi. In Großaufnahme. Weit aufgerissen. Ja, bin ich denn Hui Buh, das Schlussgespenst? Ich muss husten. Flapp! Zwei glänzende Plastikteile zuschen aus meinem Mund. Träume ich? Na, zumindest kann ich wieder geradeaus gucken. Ich sitze auf meinem Bequemsessel, vor mir kniet das Schatzi. Um mich her liegen bunte Papierschnippel.
„Na, wieder diesseits?“, fragt das Schatzi. Was sind wir witzig, gnä‘ Frau. Wenn Ihre Stimme nur nicht derart bibbern würde. Jetzt registriere ich auch knisternde Musik. Weit hinten. Child in Time. Deep Purple. Oh, oh, oh. Diese alte LP kramt das Schatzi nur raus, wenn sie mich ruhigstellen will, wenn es voll fett kommt. „Was … ist passiert?“, krächze ich. „Woran kannst dich denn noch erinnern?“, schaut sie erwartungsvoll. Ich pule mit meiner Zunge ein Fetzchen Glanzpapier vom Gaumen und überlege.
„Was ist denn nur passiert?“, stößt es mir kakaohaltig auf. „Das willst du gar nicht wissen!“ Übel, mein Bübel. Ich nehme meine Restdenke und hirne. Plötzlich weiß ich: „Du hast mir einen Adventskalender mitgebracht!“ Sie nickt sanft. „Extra einen mit SpongeBob drauf. Mit kleinen Comicfiguren aus Schoki.“ Weia! Genau!
Unlängst hab ich ihr gestanden, dass ich Weihnachstpaniker bin. Ich brauch so einen süßen Dominostein nur zu wittern und alles verklemmt sich. Um mich zu quälen regalen diese Pupermärkte ihre Lebschkuchen doch schon im Hochsommer. Und das Schatzi … schenkt mir einen Adventskalender! Ausrufezeichen! Seit sie in der Kantine mit diesen zwei Betriebspsychos mahlzeitet, hält sie sich selber für Frau Weißgenau. Ihr Wundermittel: SpongeBob ValiumPants! Streich dem Irren die Zwangsjacke bunt an, dann erkennt er sie nicht. Nicht mir mir! Ich entrülpse noch ein paar Gramm Plastik und mach mich. Von hinnen. Nach dannen.
Ich brauch jetzt dringend eine Hüpfdosis Comicothek. In Kalles heiligen Hallen, zwischen all den tröstlichen Panels, finde ich mein Seelenheil bestimmt wieder. Yesssss. Ich beneide Kalle, diese langhaarige Sprechblase. Er lebt dauerhaft Vollpension im Comicparadies und merkt es nicht mal. Ich muss sofort in die Comicothek! Dieses Wort seh ich in Großbuchstaben. Handgelettert!
Doch vor den Tempel hat der Teufel die Händler gesetzt. Comicothek umstellt! Die Innenstadt ist nur noch Weihnachtsmarkt. Das Grauen in Glibberwurst und Glühsauf. Was nun? Sinne zu und durch? Schauderrr! Mir genügt schon dieses Wabern aus der Ferne, sofort verlässt mich meine Durchblutung. Aufgezogene Weihnachtsmänner fibrillieren, draußen vom Walde gröhlt es Stille Nacht, Reibekuchen knistern lüstern, wälzen in Fett. Igitt! O lass es flott Heilige Drei Könige werden. Ich nähere mich meiner Erlösung doch lieber via Hinterhof. Starrer Blick. Kloppklopf. Kalles Assine lässt mich rein … Gerettet! Die Comicothek – geprüft christbaumfreie Zone.Der Master himself erspäht mich sofort. „Noch‘n Weihnachtskrüppel“, feixt er mir knapp rüber. „Noch‘n Pschyschologe“, murmle ich. Autscha! Unsanft postet er mir was zwischen die Rippen. Eben stand er noch hinter seinem Tresen und häufelte Euros. Der bewegt sich schneller als er kassiert. Ich erkläre ihn zum Phänomenon der Woche. Applaus!
