Super, Mann!

Winke, winke! Neben all den bunt Kostümierten sieht man auf dem Titelbild von SUPERMAN: WAS WURDE AUS DEM MANN VON MORGEN? einen Herrn im gediegenen Anzug – Julius 'Julie' Schwartz, den langjährigen Superman-Redakteur von DC Comics.Mit einer sachten Kopfbewegung ordert er mich zu sich. In spitzen Fingern hält er ein Comicbook, drückt es mir in Old Zitterhand, nickt wissend: „Eben reingekriegt!“    

Hey! Das fasst sich gut an. Glatt. Sauber. Tröstlich. Ein glänzender Softcover, schweres Papier. Farben funkeln. Ein gewichtiges Werk. Superman : Was wurde aus dem Mann von Morgen? Von New York Times-Bestsellerautor Alan Moore, steht drüber. Daneben der Name Curt Swan. Ein DC Comic. Deutsche Ausgabe von Panini.

Krkkk … es knackt sacht, als ich entschlossen losblättere. Hmmm … diese Bilder sprechen sofort zu mir. Superman sieht aus … nun … wie Superman eben auszusehen hat. Nicht so hingezauselt. Klassisch. Das ist Damals. Es ist wie Heimkommen. Hier finde ich die Toilette im Dunkeln.

Supermans Geschichte ist ja mittlerweile Wikipedia. Der Kraftmeier kommt von Outaspace. Vom Planeten Krypton stammt er. Sein Vater, Jor-El, wusste, dass dieser bald explodiert und hat Bubi in einer Rakete zur Erde geschickt. Hier führt er ein Doppelleben. Als Superman in der Not sorgt er dafür, dass es in Metropolis sittsam zugeht, als schüchterner Reporter Clark Kent schreibt er darüber für den Daily Planet. Kollegin Lois Lane würde ihn furchtbar gerne enttarnen. Genauso gerne würde sie ihn allerdings heiraten. Ding Dong! Lois liebt den Muskli, bei dem sie anscheinend ein Abo auf Gerettetwerden laufen hat. Daneben buhlt Lana Lang um seine Supergunst. Fotoreporter Jimmy Olsen leichtsinnelt sich in Bedrängnis – A dunsel in distress. Und Perry White, Chefredoktor beim Planet, hält die Truppe im Dauerlauf.

Mehr und mehr sammelte der Champ Freunde und Verwandte um sich. Eine treue Familie. Ich gehörte dazu. Und hab mich hier verdammt wohlgefühlt. Jahrelang.

Feinde gab’s ebenfalls mit Mengenrabatt. Gleich vorneweg Glatze Lex Luthor, der hirngecrashte Wissenschaftler. Der klaut schon mal die Sonne, um endlich Weltdiktator zu werden. Aber auch über ihn hab ich immer wieder gerne den neuesten Tratsch gehört. So wie von den Eskapaden meiner abgedrehten Tante Lotte.

Och! Der Superman auf dem Titelbild ist traurig, tieftraurig. Mit Leidblick fliegt er davon, vom Dach des Daily Planet. Andere Kostümierte, ich sehe auch einige Zivilisten, machen den Winke. Muss er zum Freitags-Sushi? Heim zu seiner Uschi? Nee. Lois Lane steht auch dabei und ist unglücklich.

Pow! Ein Ganzseiter packt mich. Mein Held sitzt da. Das Gesicht in die rechte Hand gestützt. Der Text: „Er sah aus als hätte er geweint.“ Hach! Ich versteh ihn so gut.

Der Band enthält „alle legendären Abenteuer des Stählernen“ von Kultschreib Alan Moore. Aber das ist mir jetzt frei schwebend. Mich fasziniert sofort der Übermensch in Tränen. Das will ich sehen. Das will ich haben. Boah! Wuchtige Worte: Historic Last Issue! Supermans Ende! Ja, irgendwann heißt es Abschied nehmen. Traurig, traurig. Aber auch ein Gedanke voller Hoffnung.

Unvermittelt materialisiert Kalle neben mir: „Keine Bange. Ist ein Reprint!“ Schlaubatz der. Aber ich muss wohl irgendwie nach Endzeit aussehen. Passt. Klaro weiß ich, dass ständig neue Superman-Geschichten rauskommen.

Aber Kalle ist unbremsbar: „1986. September. Erschienen diese Bände. Adios, Supiduh! Die haben so getan, als sei wirklich Ende Gelände.“ Er sollte moderne Lyrik schreiben. Aber, was will uns der Künstler damit sagen?